Thailand

Birthday-Party in der Khao San Road

Als wir von unserem unglaublichen Tiger-Trip im Hotel ankamen, war es schon dunkel und die Luft knisterte so ein bisschen auf den beschallten Straßen des wilden Nachtlebens der thailändischen Hauptstadt. Ich weiß nicht, ob es vielen so geht, die ihren Geburtstag lieben, aber bei mir stellt sich an solchen Abenden ein unglaubliches Disneyworld-Gefühl ein. Ich bin dann glücklich, aufgeregt, seh überall Magie und will mich in das Meer des Lebens stürzen. Und genau so war es auch an dem Abend. Die Mum war mit mir zusammen so gut drauf, dass ich sie hätte fressen können vor lauter Liebe. Wir drehten die Musik auf dem Tablet auf, und fingen an die Minibar auszutrinken, während wir uns schminkten und lachten und über allen möglichen Quatsch redeten wie die besten Freundinnen. Ich zeigte ihr wieder lauter Songs, die mich gerade an tolle Momente in meinem Leben erinnerten und nahm freudestrahlend die Geburtstagsgrüße von meinen zwei Lieblingsmenschen entgegen, die mir zu deutscher Zeit (in Bangkok wars noch abends) schon um Mitternacht mit lauter Herzen in der Nachricht gratuliert hatten (der Sascha und der Nino). Dann gingen wir aufgehübscht auf die Straße, nahmen uns noch zwei Weg-Wein mit und landeten, nachdem wir diese fast auf Ex noch weg gezogen hatten, in der ¨Roof-Bar¨. Dieser Laden ist ein besonderer Schuppen, zwischen den ganzen Technohallen, mit ein-Euro-Cocktails, weil er im zweiten Stock mit offener Fassade ein bisschen wie ein Irish Pub wirkt und jeden Abend ein anderer talentierter Sänger mit Akkustik-Gitarre dasitzt und einem das Herz zum Schmelzen bringt mit seinen ganzen Lagerfeuersongs. Die Bar hatte ich vier Jahre zuvor mit dem Mauri entdeckt und ich fand es eine gute Gelegenheit, Erinnerungen zu erneuern 😉 Die Mum meinte ¨bestell dir was du willst, Geburtstagskind, ich zahle¨ – und das brauchte sie mir nicht zwei Mal sagen 😀 Eine halbe Stunde später stand ich mit einem Eimer Rum-Cola auf der kleinen Tanzfläche zwischen den ganzen Touris und hatte den Spaß, den ich mir gewünscht hatte 😀 Ich tanzte und sang wie verrückt, als der Sänger einen Musikwunsch nach dem anderen von uns spielte, und hatte eine ganze Horde um mich herum, die mit aus dem Eimer tranken und mich um zwölf alle zum Geburtstag umarmten, als seien sie immer da gewesen 😀 Irgendeiner der Kerle, mit denen ich an dem Abend ein bisschen geredet hatte sagte dem Sänger meinen Namen, und dass ich Geburtstag hätte, welcher daraufhin ein unglaublich schönes Geburtstagsständchen spielte, bei dem die ganze Bar mitsang. Als er fertig war rief er mich her (ich mit hochrotem Kopf) und schenkte mir sein Plektrum…er meinte, das hätte er jetzt 8 Jahre lang bei sich getragen und ich solle es wirklich benutzen. Das nahm ich mir zu Herzen…weil es eine so kleine große Geste gewesen ist. Nach der gefühlten 30. Zugabe von dem Kerl, landete ich wieder auf dem Stuhl neben meiner Mum, die die ganze Zeit klatschend und grinsend dagesessen hatte und strahlte sie an. Das war eindeutig ein unvergesslicher Geburtstag geworden, und das alleine mit meiner Mum in einem fernen fernen Land 😀 Sie umarmte mich ganz herzlich und sagte, es ist so schön, wenn du glücklich bist. Als wir nach Hause schlenderten, waren wir beide ganz schön angeheitert und wir fielen lachend ins Bett…und ich dachte ernsthaft nichts mehr 🙂 Ich hatte also ein Stadium erreicht, in dem nicht mal MEIN Hirn mehr an tiefgründige Dinge denken konnte. Als ich aufwachte war ich immernoch glücklich 🙂 Wir checkten aus, und suchten im Zick-Zack-Marsch ein neues Hotel, in dem die Mum die nächsten Tage bis sie Heim fliegen würde noch bleiben konnte. Wenn meine Mutter etwas sucht, vorzugsweise wenn ich mit Gepäck und Kater hinter ihr herlaufen musste, dann lief sie erstens nie eine gerade Strecke…sondern wechselte immer alle zwei Läden die Straßenseite, und zweitens lief sie am liebsten die Straße sicherheitshalber drei Mal von vorne bis hinten ab, um auch wirklich alle Möglichkeiten gegeneinander abgewogen zu haben 😀 Ich stapfte also grummelig hinter ihr her und war wirklich heilfroh, nach ein paar sarkastischen Sprüchen, als wir ein Hotelzimmer gefunden hatten, das wirklich wunderschön war. Es war klein, aber hatte einen DVD-Player und so geile Farben, da hätte ich auch noch ne Woche bleiben können 😀 Ich dachte mir, beim nächsten Thailandurlaub mit dem Nino, nehmen wir das Zimmer…da kann sich der Kerl von dem Kulturschock aklimatisieren 😀 Nach einer ausgedehnten Shoppingtour (ich brauchte ja noch Geschenke) landeten wir noch für eine Stunde mit Kokosnüssen am Hotelpool auf dem Dach und redeten darüber, wie die Reise verlaufen war. Wir waren uns bewusst darüber, dass es etwas ganz Besonderes ist, noch einmal so eine Zeit zu zweit erlebt zu haben. Und ich entschuldigte mich noch dafür, dass ich die ganzen Wochen immer so ein bisschen bedrückt gewesen bin…mich nicht immer so cool verhalten hatte. Weil ich ich weiß, dass sie nur wegen mir ihren Flug umgebucht hatte um noch länger bleiben zu können und ich dann Hals über Kopf nach Hause fliegen wollte, und sie noch eine Woche alleine ließ. Und dass es schon seit über einem Jahr nicht leicht mit mir war, ich verwirrt, verletzt, nachdenklich und teilweise depressiv bin und man das auch im Umgang merkt. Aber sie sagte, es sei alles gut so wies ist und es ist für sie wunderschön gewesen, mit mir so einen tollen Urlaub zu machen. Ich dachte an all die Momente, in denen wir uns angepflaumt hatten…in denen sie aufgeregt nach Action für uns gesucht hat, weil sie wollte, dass die Reise toll für mich wird, wenn sie da ist. Und ich fühlte dieses Drücken in der Magengegend, wenn einem etwas einfach so ans Herz geht und man am liebsten so viele Dinge im Nachhinein besser gemacht hätte…aber dafür sind Mamas undankbarerweise eben Mamas. Sie ertragen einen, und geben zu viel, und sie kennen einen besser als man sich selbst…erinnern einen an die eigenen schönen Seiten, wenn man sie selbst nicht mehr sehen kann. Und wenn sie das nicht getan hat, dann weiß ich nicht was sie sonst getan hätte. Sie hat mich wie ein hingefallenes Kind aufgehoben und festgehalten und mir gesagt, dass alles gut wird. Und ich hab es ihr geglaubt irgendwann 🙂 Ich habe da eine Mum gefunden, die frei ist, die ihre Träume verwirklicht, die sie selbst ist und die in einer Hauruckaktion von München nach Thailand fliegt, um für ihr kleines Mädchen da zu sein. Wenn das mal nichts ist, worauf ich stolz sein kann 🙂

Als die Zeit gekommen war, quetschten wir uns mit meinem mittlerweile monströsen Gepäck in ein Tuk Tuk, rauchten, tranken Wein und ließen uns den Fahrtwind ins Gesicht blasen, während das kleine Gefährt uns durch jeden Stau hindurch zum Airport-Train brachte. Die letzten Rauchschwaden der violetten Stadt bliesen mir ins Gesicht und ich war mir in dem Moment ziemlich sicher, dass ich hier nicht zum letzten Mal gewesen bin. Als wir uns am Flughafen verabschiedeten war das irgendwie ein bisschen traurig. Die Mum stand dann da hinter der Absperrung, nachdem wir uns total umarmt hatten und nochmal beschworen, wie schön alles war…und so schnell wie es begonnen hatte, war es auch wieder vorbei. Wir winkten uns noch ewig, bis ich durch die Passkontrolle durch war, und natüüüürlich konnte ich nicht umhin, eine Träne zu drücken. Es gibt so vieles, was special ist im Leben, und nichts kann man festhalten. Als ich im Flugzeug saß, war ich das erste Mal auf das gerichtet, was jetzt vor mir lag. Ich würde den Geburtstag vom Sascha miterleben, würde meinen Nino wieder spüren und hätte die Aufgabe, das für drei Wochen zu genießen, und dann den Abschied von vorne beginnen zu lassen. Als ich das so dachte musste ich lachen…egal was ich mache, es wirkt immer alles ein bisschen verzweifelt 😀 Ich freu mich auf den Moment, dachte ich mir, in dem ich durch diese Reise diese Dramatik vielleicht endlich loswerde…der Rest meines Lebens mit mehr Nachvollziehbarkeit abläuft…und ich bin mir sicher, dass ich es so schaffen werde 🙂 Danke Mami, für diese geile Zeit…das bleibt uns ein Leben lang, und darüber hinaus. das weiß ich. Sollifri

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Zum Geburtstag?….Nen Plüschtiger!

Wir waren langsam schon geübt im Schleppen, öffentliche Verkehrsmittel in der rauchigen Stadt Bangkok zu benutzen und uns durch die Menschenmassen und schreienden Händler hindurch einen bequemen Weg zu bahnen (na gut, die Mum mehr als ich 😀 Da gab es die Situation, bei der wir aus dem Flugzeug aussteigend alle gemeinsam in einen Bus sollten, der uns zum Terminal fuhr…das ist dann ungefähr so abgelaufen, dass die Mum als Erste und ich als Letze im Bus war, sie einen Platz hatte und ich nur weg gestoßen wurde und am Ende an die Scheibe gequetscht dastand 😀 Der Satz meiner Mutter zu dieser Situation: ¨Das beste Beispiel dafür dass dir die Ellenbogentechnik im Leben fehlt!¨ Na toll. Aber wenn Ellenbogentechnik  zurückschubsen bedeutet, was habe ich letztendlich WIRKLICH davon? Ich weiß, in der Welt in der ich lebe, schein ich mit dieser Einstellung immer nur zu verlieren…aber auf lange Sicht gesehen, mach ich vielleicht auch einen Unterschied?). Wir schliefen eine weitere Nacht in unserem mittlerweile alt bekannten Hotel mit Swimmingpool unter dem lila Smog-Himmel und schlemmten, schliefen wie die Babies und buchten unsere Tour zum lang ersehnten Tigertempel. Nun waren wir zusammen und doch auch schon getrennt etliche Male in diesem Land gewesen, und doch hatten wir es nie geschafft, diesen Tempel mitzunehmen. Und die Mum träumte schon seit Jahren davon. Man konnte es sich nicht ganz vorstellen, hatte man doch nur Dokus zu diesem mysteriösen Ort gesehen, und doch scheinte es ihn wirklich zu geben. Diese letzte große Aktion, bevor ich am nächsten Tag für 3 Wochen nach Hause fliegen sollte, war mein Geburtstagsgeschenk meiner Mami in diesem Jahr für mich 🙂 Es war der 29. Oktober, einen Tag bevor ich 27 werden sollte, und wir standen früh früh auf, checkten aus, nahmen noch das Frühstück mit, verstauten unser Gepäck in der dafür vorgesehenen Kammer in der Lobby und fuhren Stunden über Stunden eingequetscht in einem Minibus durch die Gegend, die wir noch nicht so genau kannten…Richtung Norden. Angeblich soll Nordthailand, da wo es kein Meer gibt, noch ursprünglicher sein….dort haben sich über die Jahre scheinbar die echten Thais angesammelt, um sich vor dem Massentourismus zurück zu ziehen. Bis dorthin drangen wir allerdings nicht durch, wir kamen irgendwann auch wirklich an, in diesem Tempel, und wurden erst einmal zum teure Klamotten kaufen geschickt, weil wir ihnen zu knapp bekleidet waren (waren wir nicht, glaubt mir das, ich weiß, was knapp bekleidet bedeuetet 😀 ). Aber die Regel war ¨no red for the tigers, no sexy for the munchs¨. Wir hatten also tolle Tigertempel-T-shirts und konnten endlich in den riesigen Park gehen. Natürlich war unsere Gruppe plus Guide schon längst verschwunden, als wir umgezogen aus dem Klo kamen, aber ich war nicht traurig darüber…der Kerl ging mir mit seinem ¨quick, quick, quick¨ tierisch auf die Nerven…ich bin doch nicht unterwegs, um ständig nur gestresst zu werden 😀 So weit wir wussten, bestand der Tempel aus so vielen Tigern, wie Mönchen. Die Tiger sind angeblich in einem Meditationszustand, wenn man ihnen nahe kommt, durch die tiefe Verbindung zu ihren Mönchen. Das Projekt scheint einmalig auf der Welt zu sein, und keiner kann sich wissenschaftlich erklären, warum diese ganzen, teilweise riesigen, Raubkatzen noch nie jemanden zerfleischt haben. Spiritualität meint die Mum…und ich denke mir, hoffentlich ist es das wirklich…nicht Sedierung. Aber über Medikamente gibt es keine Gerüchte, allerdings darüber, dass die Mönche so viele Tigerbabies bekommen mittlerweile (gefunden und geboren), dass sie viele davon für die Finanzierung der restlichen an China verscherbeln, die dort Gott weiß was mit ihnen für ihre scheinbar kulturell bedingte Impotenz anstellen. Diese Chinesen…überall erschießen sie vom Aussterben bedrohte Tiere, Nashörner in Afrika, Wale im Pazifik usw. Um sich daraus nicht funktionierendes Potenzmittel herzustellen. Hätte Gott bei diesen kleinen Penisen kein Erbarmen zeigen können? Der hat ja nicht gewusst, was er damit anrichtet…Naja, jedenfalls scheinen Mönche und Tiger dort auch gemeinsam zu speisen. Mönch trockenen Reis, Tiger Schüssel voll rohem Fleisch, alle nebeneinander und ganz friedlich. Es gibt Fotos, wie die Tiger mit den Mönchen zu Hauf frei in diesem nicht zu Gesicht zu bekommenden Tempel herumspazieren, und es scheint eine merkwürdige Harmonie über dieser ganzen Szene zu liegen. Die touristische Seite sieht jedenfalls etwas anders aus. Wir kamen erst einmal durch ein riesiges Gehege an lauter Bisons, Ziegen, Schweinen und Rehen vorbei (die rennen da alle zu Hauf auf dem großen Gelände frei herum…das alleine ist eigentlich schon eine Attraktion) zu einem kleinen Wasserfall, an dem auf einem Stein ein kleiner Tiger zum Posen herhalten musste. Er war ungefähr so groß wie ein 9 Monate alter Golden Retriever, und benahm sich auch so 😀 Er kaute auf irgendwelchem Spielzeug herum, badete manchmal und viele viele Touristen stellten sich an, um sich zu ihm zu setzen, und ein Foto mit ihm zu machen. Der Tiger schien schon lange dort zu sitzen und zu ¨ arbeiten¨, denn er war schon gestresst, fauchte manchmal und haute mit der Pranke aus, bis die Voluntärinnen (diese ganze komplette Veranstaltung war geführt von jungen Leuten aus anderen Ländern, die dort so etwas wie tierische Entwicklungshilfe leisteten…das wär ja auch eine geile Stelle gewesen oder :D) ihn an einer Leine, wie einen Hund, abführten und einen neuen kleinen Tiger holten. Naja, aber wenn wir schon einmal da waren, sollten wir vielleicht auch ein Foto mit so einem Tiger hinbekommen, also stellten wir uns auch an und als ich an der Reihe war, merkte ich wieder, wie bei Jacky, meinen Heidenrespekt vor diesen wilden Geschöpfen dieser Welt. Er ist zwar im Tempel geboren worden (wahrscheinlich), aber er bleibt auch ein Tiger und das merkt man im Verhalten….das wird niemals eine riesige Hauskatze werden. Ich musste mich hinter ihn knien und sollte ihn fest anfassen, weil leichte Berührungen ihn scheinbar zum Spielen animierten. Ich machte es erst Mal falsch natürlich 😀 Ich legte zaghaft meine Hand auf seine Seite und er drehte sich um, wie eine wilde Katze und schnappte mit den Pfoten nach mir und spielte auf dem Rücken liegend, als hätte er einen Wollknäuel gefunden…die Krallen immer eingezogen. Das erweichte mir das Herz, es erinnerte mich zu sehr an meine Punani, als dass ich weiterhin Angst hätte haben können 😀 Also rubbelte ich ihm fest den Bauch und er streckte sich genüßlich aus, um mit mir für ein unvergessliches Foto zu posen. Die Mami tippelte schon vor Ungeduld und war als Nächste dran. Man konnte ihr die Aufregung wieder im Gesicht ansehen…wie hatten es die Tiere nur geschafft so einen riesiegen Platz in ihrem Herzen einzunehmen? Sie saß da mit hochrotem Gesicht und ich machte so viele Fotos, wie ich nur konnte (auch von der Seite, denn von vorne hatten die Voluntäre ihre Kamera), um ihr die Erinnerung so lebendig wie möglich zu erhalten…ich wusste, dass sie lange lange von diesem Tag geträumt hatte. Ganz hin und weg davon, einen Tiger angefasst zu haben, gingen wir weiter durch eine kleine Felsschlucht, an deren Ende sich der nächste Tigerplatz befand. Aber dieser, war einer der anderen Sorte. Man durfte nur einzeln rein und musste sich in Schlangen anstellen, bis man an der Hand! Von Voluntären zu den einzelnen herumliegenden RIESIGEN Tigern geführt wurde, um mit fast jedem fotografiert zu werden. Die Mum regte es auf, dass wir das nicht zusammen erleben konnten, aber aufgeregt war sie trotzdem, das konnte man an ihrem roten Gesicht erkennen 😀 Ich fand es höchst unangenehm, wie ein Kind an der Hand durch die ganzen Tiger geführt zu werden, die da zu 20igst dösend in dem Gehege verteilt an Ketten lagen. Die waren sooooo ruhig, dass es eindeutig nur eines von beidem gewesen sein kann…eine ¨sleep-well-spritze¨ oder Meditation. Ein Mönch saß zwischen all diesen Tigern (der erste den wir sahen), und redete Kopf an Kopf mit einem dieser Ungetüme und liebkoste ihn. Dieses Bild war das erste, das mir authentisch vorkam…das sah irgendwie einfach wie echte Freundschaft aus. Wir saßen also immer mal wieder bei einem großen großen Tiger, den wir anfassten, Fotos mit ihnen machten, ich öfters mal einen Schwanz ins Gesicht bekam und dann war die Situation auch schon wieder vorbei. War aber auch schwer zu begreifen…wir schwebten noch Wochen in einem Hochgefühl deswegen, aber in diesem Augeblick mussten wir das erst einmal verarbeiten. Wir suchten uns einen Stein, auf dem wir eine Rauchen konnten und erzählten uns, was wir gerade erlebt hatten (waren zwar dabei, aber sowas muss man schon ergründen 😀 ). Die Nächste Aktion, die folgen sollte, war etwas, das wir vorher dazubuchen konnten. Die Entscheidung lag für 30 Euro Pro Person bei einer halben Stunde mit den großen, oder einer halben Stunde mit den kleinen Tigern zu spielen. Wir haben uns für die kleinen entschieden, aber konnten, bevor es anfing noch dabei zuschauen, wie die Touris in dem großen Gehege in der Mitte mit den schon ausgewachsenen, aber noch jungen Tigern das selbe Spiel trieben. Das Gehege war rund, und hatte ein Wasserloch, das direkt an der 4-5 Meter hohen Steinmauer platziert war. Die Touris standen alle mit langen Stecken, an deren Ende so etwas wie knisternde Plastiksäcke befestigt waren, in dem Wasser und ließen die Riesen immerwieder darauf zu springen, sie nass spritzen und damit hantieren, als wären sie kleine Kätzchen 😀 Der Größenunterschied war es allerdings, der mich irgendwie ziemlich glücklich machte, dass ich gerade nicht da unten stand. Die vier bis fünf Tiger sprangen immerwieder gewaltig in die Luft, packten die Tüten, rissen mit den Zähnen daren, kämpften einen Meter vor den ganzen Menschen miteinander im Wasser und waren total wild gemacht. Alle lachten, und kreischten und viele Eltern und Kinder standen mit uns an der Steinmauer, um das Spiel zu begutachten. Einer dieser Väter, hatte die Idee seine kleine 8-jährige Tochter auf die Mauer zu setzen, damit sie auch etwas sehen konnte. Den Plan konnte er genau eine Sekunde umsetzen, denn dann war der Tiger schon die Wand hoch gesprungen und hatte die Kleine am Bein. Das alles geschah ungefähr drei Meter neben uns, und der Daddy des Jahres konnte seine Kleine gerade noch so aus den Fängen zurückziehen, die eine große Fleischwunde am Bein mitgenommen hatte. Sie schrie natürlich und wurde von den Voluntärinnen verarztet, aber diese ganze Situation legte sich innerhalb von Minuten und sie entschied sich, trotzdem noch mit zu der bezahlten Tour zu den Tiegerbabies zu kommen. Mutiges Mädchen dachte ich bei mir, während ich immernoch zitternd auf die wilden Tiger in dem Gehege starrte. Noch nie jemandem was passiert ja? Die Voluntärinnen erklärten uns, dass die großen Tiger aggressiv auf Kinder reagieren, bzw. Mit ihnen spielen wollen…ich dachte mir so, nachdem ich ja nicht die größte Person auf diesem Planeten bin, ob der Tiger das dann unterscheiden kann…dass ich schon groß bin und die Kleine neben mir nicht, die höchstens noch einen Kopf braucht, um die gleiche Höhe zu erreichen 😀 Also ich bin immernoch froh gewesen, nicht dort unten gewesen zu sein…und war auch wieder ein bisschen schlauer, Tiger sind also Kinderfresser…Meine Mutter hielt mich ab dem Zeitpunkt egal was wir noch taten immer fest 😀 Sie zog mich ständig von irgendwo zurück, zerquetschte mir die Hand und reagierte immer mit so einem Mama-Reflex (vor mich stellen, zurückstoßen und solche Späße), sobald uns ein Tier zu nahe kam 😀 Als wir bei dem kleinen Käfig ankamen, in dem wir mit den Tigerbabies spielen sollten, sagte die Voluntärin noch zu der kleinen Attakierten ¨ you are my hero today¨, ja meiner auch, dachte ich mir. Ich hatte Muffensausen ohne Ende, als wir zu den fünf hundegroßen Tiger ¨babies¨ in den Käfig spazierten und jeder eine Flasche mit heißer Milch bekam, um sie zu füttern. Kleine Hunde vielleicht ja…aber noch Hunde 😀 Die kleinen Tiger waren wild und sprangen einem immer hinten in die Beine, wo man sie dann wegstoßen sollte, meinte die Frau. Ich versuchte mein bestes, einem dieser Tiger eine Flasche anzubieten und schaffte es nur, mit der Hilfe von allen den kleinen Tiger wirklich mal ganz süß an der Flasche saugen zu sehen. Alle spielten wieder mit den Kleinen mit diesen Stecken und machten Fotos was das Zeug hielt. Die Mum war wieder voll dabei, und bekam ihre Flasche gleich in mehrere Tiger, spielte mit den Kleinen und übte sich im Umgang mit ihnen. Ich sah schon wieder in ihren Augen, wie sie sich vorstellte, auch so einen Job zu machen 😀 Sie verarschte mich ununterbrochen, weil ich immer die Ängstlichste von allen war, Abstand wahrte und wartete bis ein Tiger von selbst zu mir kam (was aber auch passierte manchmal), aber ich fand mich ganz unfassbar mutig 😀 Auch wenn alle Kinder um mich herum das Spiel weniger gefährlich als ich zu finden schienen…inklusive meiner Mum 😀 Mit was für Tieren ich wegen dieser Frau in meinem Leben wohl noch so umgehen lernen muss? Jetzt will sie riesige Schlangen auf ihr Grundstück in Zanzibar aufnehmen, Schlildkröten (gut, die find ich wirklich cool) und was kommt als nächstes? Ein großes Wasserloch mit einem wild gewordenen unhappy Hippo in der Mitte, dem man NUUUUR einen Tanz aufführen muss, bevor man es füttert, damit es einen nicht frisst? Aber wenn man einen Schritt versaut, hat man leider verloren in diesem wunderbaren Spiel des Lebens 😀 Ich war stolz und auch froh und irgendwie ein bisschen berührt von den kleinen Tigern, als wir den restlichen Weg zurück nahmen, um das große Finale des Tages zu erleben. Wir kamen noch an dem Käfig vorbei, in dem der Angriffs-Tiger wild brüllte und die kleine noch einmal hallo zu ihm sagte, und dann fanden wir uns alle in einem länglich gebauten Steinweg wieder, der in einer Höhle endete, aus der man aus lauter Gucklöchern nach dem spähen konnte, was jetzt noch großes zu kommen schien. Und dann kam er…der MEGATIGER!! Dieses Tier war einfach nur ein Elefant. Er war glaub ich schon um die 26 Jahre alt, männlich und hatte seinen dazupassenden Riesenmönch dabei, der diesen Koloss an der Leine an uns vorbeiführte. Der Tiger setzte sich auf einen Baumstumpf auf den Arsch, und überragte so sitzend seinen zwei-Meter Mönch, der sich seine riesigen, gesichtgroßen Pranken um die Schultern legte und ihm eine zur Größe passende riesige Babyflasche zum Trinken gab. Das war ein Bild 😀 So ein großes Tier das da nuckelnd ruhig gestellt wird…um, ihr dürft raten, als Touri seine Fotos mit ihm machen zu können 😀 Und wir stellten uns an. Ich konnte ein paar Fotos erhaschen, von diesem tausend Meter großen Tier, aber nur schwer, weil meine Mutter drohte mir die Hand vor lauter Sorge abzureißen, wenn ich mich bewegte 😀 Genau in dem Moment, in dem wir mit dem Foto (das erste gemeinsame) dran gewesen wären, sagte uns die Voluntärin, dass der Tiger jetzt keinen Bock mehr hätte (er brüllte auch schon ganz bedrohlich), und wir es das nächste Mal versuchen könnten. Das nächste Mal…hm. Ob es das geben wird? Das war ein bisschen traurig, andererseits, wär das wieder eine Situation gewesen, in der ich einfach froh wäre, wenn sie vorbei ist 😀 Unser Riesentier wurde an sowas wie einer Hundeleine (die hätte ihn im Leben nicht halten können, wenn er gewollt hätte) wieder abgeführt, und das große Finale war vorüber. Aber dieses Tier werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich hab nicht gewusst, dass Tiger sooo groß werden können. Zum Abschluss rannten tausend große Tiere (alle die ich vorhin aufgezählt habe) zu hunderten unfassbar schnell als eine große wild durcheinander gewürfelte Herde an uns vorbei, weil es scheinbar für sie Futter geben sollte. Das war ein Getöse und Getrappel. Es waren so viele, dass wir gar nicht wussten wo wir hinschauen sollten. Sie alle sammelten sich an einer Stelle, an der das Futter zu liegen schien und standen dann da, teilweise wieder wirklich große Tiere, alle zusammen und aßen. Aber die größeren Bisons oder Büffel oder was das waren, schlugen auch aus, wenn man an ihnen vorbeiging, das war alles wirklich ein bisschen science fiction an diesem Tag 😀 Auf der Heimfahrt MUSSTEN wir noch an so einer historischen Brücke (irgendwas mit Weltkrieg) anhalten, an der wir einfach nur einen ganz tollen Maiskolben aßen und träumend die restliche Fahrt nach Hause mit dem Kopf bei den Tigern hingen. Die Mum hatte die toten Hosen auf ihrem Handy und gab es mir um Musik zu hören. Da fiel mir das erste Mal auf, wie wenig Musik ich in all diesen Wochen gehört hatte. Und das, obwohl sie mir so wichtig ist. Da muss meine Mami kommen, und mir sagen, dass mir Musik wichtig ist, mir einen USB-Stick mit aller Musik von mir geben, die sie noch auf ihrem Computer hatte, damit ich mal wieder in der Realität ankomme. Das sind die Kleinigkeiten, an denen man merkt, dass es einem nicht so gut geht, wie es einem gehen sollte, wenn man solche unglaublichen Dinge erlebt. In dem Moment, in dem mir das klar wurde, machte mir die Mum das Lied von den Hosen ¨nur die Liebe zählt¨ an. Und mir rannte eine kleine Träne über das Gesicht. Irgendwie ist es bei mir doch auch so gewesen. Ich renne um die ganze Welt, so wie er in dem Lied, um meine fiesen Erinnerungen auszulöschen und irgendwann wirklich bei ihm landen zu können. Währenddessen hält er in unserem gemeinsamen Leben die Stellung…ohne mich. Und ich erwarte, dass er das gut macht. Dass er mich ziehen lässt, dass er mich versteht. Obwohl er schon alles hatte, was er sich gewünscht hat…nämlich mich. Er ist nicht derjenige, der in der Vergangenheit fest hängt und noch irgendwelche unvereinbaren Sehnsüchte in sich herum trägt. Das bin nur ich…und nur ich versetze uns in die Situation, dass wir zwar echte Liebe gefunden haben, aber auch damit kämpfen müssen, nicht zusammen sein zu können. Und beide immer halb das Leben leben, dass ich noch für uns ausgesucht habe, bis wir ganz zusammen sein können. Wirklich eine tolle Frau, die du dir da ausgesucht hast, sprach ich in Gedanken zu meinem Mann. Das ist die ganz extravagante Form von Eroberung, die sie verlangt, wenn man sein Leben mit ihr verbringen will 😀 Und dabei bin ich gar nicht so undankbar wie es wirkt. Ich war noch nie dankbarer, als in dem Augenblick, in dem er mir das vor aller Augen gesagt hat…ich will wirklich bei dir bleiben. Und so dumm das viele finden mögen, ich hätte es keinem…wirklich keinem Menschen mehr auf dieser Welt geglaubt, wenn da nicht dieser eine Engel gekommen wäre, und mich wirklich überzeugt hätte. ¨We got married in a fiever¨…ja das stimmt vielleicht, aber das Fieber hält an…und so wie ich es empfinde, sollten wir diese beschissene Phase jetzt wirklich zusammen durchstehen, dann tut es das für immer. Für manche ist es Blasphemie, für andere unerreichbar. Aber für mich ist es Realität geworden…es gibt die Liebe, und sie kann auch ganz bestimmt ein Leben lang halten, nur die Arbeit die dafür notwendig ist, sollte man nicht unterschätzen 😀 Und so werde ich den morgigen Tag, meinen Geburtstag, im Flugzeug verbringen, um ihm zu zeigen, dass er für mich genauso wichtig ist, wie ich selbst, und dass ich ihn schätze, liebe und nicht im Stich lasse…auch wenn ich beladen bin mit Emotionen, die ich mit mir selbst ausmachen muss, um mich bereit für dieses Leben zu Hause zu fühlen, das da auf uns wartet. Und wenn er das schafft, dann bekommt er das ganze Paket von mir…alle Spießigkeit und Verantwortlichkeit die ich nur aufbringen kann 😀 Hätte ich allerdings einfach losgelegt damit, ohne vorher durchzuatmen und alte Wunden zu heilen, wäre es in die Hose gegangen…dafür kenne ich mich gut genug. Ich muss mir treu bleiben…sonst verwelke ich. Sollifri

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Mother, should I trust the government?

Die Tatsache, dass mich meine Mum schon nach drei Wochen besuchen kam, hatte wohl einige Gründe 🙂 Sie hat wohl gemerkt, dass ich hin und her gerissen war von Sehnsucht und Tatendrang und hat außerdem wohl so ihren ganz eigenen Kampf am laufen mit der Tatsache, dass ich wirklich geflogen bin. Aber wenn ich etwas genossen habe, dann das Teilen von Eindrücken. Ich weiß nicht ob es jedem so geht, aber in meinem Fall ist es oft so, dass ich mit vertrauten Personen in alte Muster verfalle. Sei es die pupertierende 16jährige oder das verschüchterte, meinungslose Etwas, dass nichts mehr ersehnt als Harmonie. Manchmal auch beides im Dauerwechsel 😀 Aber diese erste Abend, an dem wir uns in Bangkok getroffen haben, war wirklich unheimlich schön. Ich war schon ein bisschen fertig, von der langen Busreise mit einem Minibus, der irgendwann nur noch mich alleine in das dunkle Nichts zu fahren drohte und einfach nicht stoppte. Das Ankommen, hatte etwas so belebendes für mich, dass ich mich auch vollends auf das geborgene Gefühl einlassen konnte, dass die Anwesenheit meiner Mama in mir auslöste. Ich wurde von jemandem in den Arm genommen und sprudelte vor lauter Geschichten und der Freude darüber, dass jemand Lust hatte, mit mir einen Teil dieser Zeit hier zu verbringen. Wir redeten die ganze Nacht, tranken Cocktails, bis der Morgen graute und waren so nett zueinander, dass es fast schon unheimlich wurde 😀 Wir freuten uns ehrlich, uns zu sehen…und solche Momente sind immer wieder schön. So selten im Leben hat man die Gelegenheit, mit einer Person eine intensive, mehrwöchige Phase zu teilen, ohne dass man abgelenkt wird. Die Pläne, die wir machten, waren allesamt immer wieder chaotisch…und doch haben sie funktioniert 🙂 Als wir im Flugzeug nach Sumatra saßen, spürte ich, wie froh ich war, dass ich in so ein unbekanntes Land das erste Mal nicht alleine fahren würde. Mir war klar, dass ich es auch alleine gemacht, geschafft und geliebt hätte…und doch ist es ein gutes Gefühl, zugeben zu können, dass das allein sein immer nur gut für eine Phase ist…nicht für ein Leben. Die Ankunft in diesem Land war schön. Die Luft am Flughafen tropisch freucht-warm, selbst die aufdringlichsten Taxifahrer, waren Vorzeige-Gentlemen im Vergleich zu dem, was wir aus Thailand gewohnt waren. Der erste, der uns in die Stadt brachte, war so lustig und liebenswürdig, dass wir nicht anders konnten, als mit ihm im Auto zu singen und die Fenster auf zu reißen. Wir blieben zwei Nächte in einem eigentlich spottbilligen Luxushotel und ließen die medan´sche Mentalität auf uns rieseln. Alle warnten uns davor, nicht alleine auf die Straßen zu gehen in der Nacht…die Welt sei gefährlich auf diesem Fleckchen. Die Nächte Gangsters Paradise und eine Frau eigentlich sowieso hoffnungslos verloren, in diesen Gefilden. Wir taten es trotzdem. Und passiert ist uns nichts. Nachts mit einem winzigen Motorbike-taxi durch verlassene Straßen einer riesigen Hauptstadt zu fahren ist zwar dann doch etwas gruselig, aber wir haben ein paar coole Orte gefunden. Zum Beispiel eine indische Disko 🙂 Medan Nightclub war der Name, und nachdem wir abenteuerlich gegessen hatten, wollten wir ein Bier trinken gehen. Unser Fahrer wartete geduldig an jeder Ecke auf uns, an der wir etwas unternahmen, und meine Mutter wurde nicht müde, zu betonen, wie wichtig es wäre, dass ich das jetzt nicht alles alleine gemacht hätte 😀 Der Sound in der Disco war wie aus einem Bollywood Film ohne Dezibel-Gesetz. Noch nie! Hatte ich so laute Musik gehört. Wir konnten uns also schon mal nicht unterhalten, bis wir Bier bestellt hatten (die Getränke waren eigentlich unbezahlbar, selbst für uns), wurde uns schon das komplette Sortiment an Alkoholoka auf der Bar ausgebreitet, weil wir uns einfach nicht verständigen konnten, und Fans hatten wir auch schon fünf, bevor wir überhaupt Platz genommen hatten 😀 Der Inhaber, gesellte sich direkt zu uns und beschenkte uns reich mit Nüssen und purem indonesischen Whiskey, er schien unfassbar begeistert und erstaunt darüber, dass deutsche Touris ihren Weg in seinen Laden gefunden hätten. Und nachdem uns nicht viel anderes zu tun übrig blieb, besaufen nicht erschwinglich war und Verständigung unmöglich, raften wir uns ernsthaft dazu auf, mit all den indischen alten Frauen und Männern auf die Tanzfläche zu gehen 😀 Es war ein wahres Spektakel was dort ablief. Männer tanzten Arm in Arm mit Männern, riesige Kreise wurden Hand in Hand geschlossen und alle klatschten, bewegten die Hüften und sangen Karaoke in der selben Lautstärke, die einem die Ohren zum dröhnen brachte. Und meine Mum und ich mitten drin. Wir gaben unser bestes, die Bewegungen nachzumachen und hatte zumindest so viel Erfolg darin, dass uns sogar der momentane Sänger von der Bühne entgegen sprang, um mit zu tanzen 😀 Also was man ja vielen Völkern wirklich zu Gute halten muss, und somit auch den Indern, das ist diese Nähe, die sie zueinander empfinden. Sie können ausgelassen den Alltag Vergangenheit und Zukunft sein lassen und sich gegenseitig in den Armen liegen, völlig unabhängig von Geschlecht, Alter oder Rangordnung. Wir sind daraufhin bald schon gegangen, weil unsere Ohren drohten zu explodieren, aber die Erfahrung war besonders. Wir wurden noch umarmt, nach draußen begleitet und jeder den wir trafen, sorgte sich darum, dass wir auch wirklich sicher weiter transportiert werden. Also vielleicht stimmt es, dass Medan so verrucht ist, aber wir haben irgendwie nur die Netten getroffen 🙂 Das ändert zwar absolut nichts daran, dass es eine der hässlichsten Städte ist, die ich je gesehen habe, ohne Glanz, voller heruntergekommener Straßen, einem Einkaufszentrum, das reicher ist, als jedes, dass wir in Deutschland vorfinden würden, also eine ins Gesicht springende Arm-Reich-Kluft, aber es bedeutet schon ein weiteres Mal, dass wir uns immer und immer wieder selbst eine Meinung über die Tatsachen dieser Welt bilden werden und müssen…dazu angehalten sind. Wären wir im Hotel geblieben, hätten wir nie gesehen, wie herzlich indische Männer miteinander tanzen können 🙂

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Phranang Beach

Phranang Beach

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Das Spiel mit dem Feuer…

Wie man sich vorstellen kann, bin ich zwar schon introvertierter als sonst, aber manchmal kreuzt auch ein anderer Mensch meinen Weg 🙂 Derjenige, der mir unter anderem im Gedächtnis geblieben ist, und auch gewissermaßen ein Sinnbild für meine Thailandreise darstellt, ist Gott sei Dank ein Thai gewesen. Es ist nämlich heut zu Tage nicht mehr so leicht wie man denkt, in Thailand wirklich Thais in ihrem echten Lebensraum zu begegnen. Wie sagte eine nette 35jährige Österreicherin zu mir, mit der ich am letzten Abend ein bisschen ¨Rum-philosophiert¨ habe: ¨ Man kommt sich in diesem Land wie ein laufender Geldbeutel vor. Von beiden Seiten ist keine echte Begegnung mehr möglich, weil sich fordernder Touri (ich wills billig, ich will dass du meine Tasche trägst, ich will Abenteuer ohne echte Gefahr) und gieriger Thai (ich möchte, dass du drei mal so viel wie die Landesbewohner zahlst, nur in abgesperrten Touristengebieten bleibst und meine Kultur außen vorlässt, damit ich meine Ruhe vor dir habe) treffen, ohne als Mensch und Mensch voreinander zu stehen. Auf dieser Ebene passiert Ausbeutung von beiden Seiten, und es ist fast nicht möglich, wenn man das Spiel nicht mag, aus diesem System auszubrechen.¨Der Name meines ¨Freundes¨ war Tum, und er war tagsüber Kletterlehrer am Railay Beach, und machte nachts die Feuershow in der ¨Last Bar¨ für die Touristen. Wir trafen uns, weil ich am ersten Abend, in eben genannter Bar saß, und mir mit Bier in der Hand das Spektakel anschaute, die Füße den Gehweg zum Meer herunterbaumeln ließ, und jedes noch so scheußliche Lied mitsang, das in dieser Bar gespielt wurde. Er stand mit den anderen Kerlen, die da oben ohne, und eingeölt, zu hartem Techno mit ihren brennenden Pois und Sticks ein Kunststück nach dem anderen vorführten auf dem Weg, und ließ seinen Stick fallen, als er mich anschaute. Keine Ahnung warum. Ich war irgendwie gut drauf, gefestigt, zielsicher…das hat ihn an meinem Blick vielleicht irgendwie aus der Fassung gebracht. Er schrie lachend ¨that was your fault¨ und kam nach der Show mit einem Eimer! Schnaps zu mir und setzte sich neben mich. Dass es keine Seltenheit ist, dass diese Kerle nach ihrer künstlerischen Darbietung versuchen irgendwelche knapp bekleideten Miezen abzuschleppen, war sogar mir irgendwie bewusst und deshalb stellte ich gleich klar, dass da nichts laufen wird. Zu meinem großen Erstaunen ging er nicht. Er blieb, und das meinen restlichen Urlaub an diesem Ort. Wir unterhielten uns viel über die verschiedenen Leben, die wir führen, tranken ab und zu einen und er brachte nachts oft Essen zu mir ins Bungalow und wollte einfach reden. Diese Erfahrung war für mich anfangs eigentlich recht schön, weil ich ja weiß, dass es nicht einfach ist, jemanden auf einer freundschaftlichen Ebene zu treffen. Aber seine Besuche wurden immer später, immer betrunkener und irgendwann kam es auch dazu, dass er nicht mehr gehen konnte, weil er so betrunken war und wohl über Jahre so viele Probleme in sich reingefressen hatte, dass es ein Geschenk für ihn darstellte, einen Zuhörer gefunden zu haben. Er saß dann teilweise zwei Stunden weinend in meinem Zimmer, und erzählte mir von dem inszenierten Leben, das er führte. Viele Frauen kamen ihn ein Mal im Jahr besuchen, lebten mit ihm dann für mehrere Monate wie ein Paar zusammen und gingen dann zurück zu ihrem Ehemann oder Freund, und er war Geschichte. Neun Jahre lang lebte er nun an diesem Ort…tat tagein tagaus das selbe, spielte immer das gleiche Programm für die Touris ab, bei der immer gleichbleibenden Playlist der Last Bar und führte Beziehungen, die sich buchstäblich in Nichts auflösten…jedes Mal…zwangsläufig. Mir ist zwar schon aufgefallen, dass ich da ein gewisses Muster in meinem Leben aufweise…Menschen mit mir entweder schlafen, oder über ihre Probleme reden wollen (in seinem Fall vielleicht sogar beides), aber es war zu interessant und berührend, was da vor meinen Augen passierte, als dass ich darüber weiter nachdenken wollte. Die Geschichte verlief sich im Sand, als ich ihn am vorletzten Abend aus meiner Hütte werfen musste, weil er drauf und dran war, alles voll zu kotzen und sich einfach neben mich ins Bett legte und einschlief. Das letzte Mal, dass ich ihn sah, war als er nach seiner Show das nächste blonde Liebchen mit in sein Bungalow schleifte, mit einem Eimer Schnaps in der Hand, und so tat, als hätte er nichts zu verlieren.

Mein Eindruck von dieser ganzen Situation war folgender: Dieser Mensch scheinte mir, wie zwischen zwei Welten gefangen. Er hatte sich so viel über seine Jugendjahre hinweg mit Touristen umgeben, dass ihm seine eigentümlichen, landesüblichen Ideale skurril vorkamen mit der Zeit. Gleichzeitig hält ihn aber ein unerklärbarer, innerer Konflikt in diesem inszenierten Rahmen gefangen, weil er tief in seiner Seele ein gläubiger, sehr familienverbundener Thailänder ist, der seine Herkunft nicht einfach ausschaben kann. So ist es ihm unverständlich, wie viel wertloser, käuflicher Sex für uns Westler auf der Tagesordnung steht, und gleichzeitig kann er nicht mehr zurück, und nach dem ersten Date mit einer Thailänderin sofort vor der ganzen Familie begründen, warum er sie nicht heiraten möchte. Deshalb nenne ich es das Spiel mit dem Feuer. Mein Dad hat mal gesagt, man lässt überall, wo man mit jemandem intim gewesen ist, einen Seelensplitter zurück. Wenn das wahr ist, wird von seiner Seele nicht mehr viel übrig sein…und er spielt jedes einzelne Mal, bei dem er nicht auf eine innere warnende Stimme hört, mit dem übrig gebliebenen Teil seiner selbst. Ein wahrer Feuerkünstler….

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Fallschirm springen verboten….

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Daughter of Rambow

Kennt jemand den Film ¨Son of Rambow¨? Nicht dass ich jetzt so übermütig geworden wäre…aber ein bisschen abenteuerlustig schon 🙂 Es ist auch wirklich ein Trugschluss, zu glauben, man könnte durch denken, schreiben, Sport machen, reden, Guitarlele spielen und eigene Untiefen ergünden alleine über Wochen glücklich werden. Es ist schon auch das Erleben notwendig, um das Leben zu spüren. Mal ganz abgesehen davon, dass man nicht durch zwei Wochen mit einem Stift in der Hand zu Shakespeare wird und auch nicht durch tagelanges Grübeln zu Kant. Als diese Erkenntnis auch endlich mal zu mir durchgedrungen war, hab ich mich mit Wildnismesser, Feldflasche und Neoprenschuhen ausgestattet, um endlich mal auf eigene Faust zu abenteurern. Gelesen hatte ich ja nun doch schon einiges davon, wie schön das sein soll 😀 Beim Vorbeilaufen an den Felsen zum schönsten Strand der vier zur Verfügung (prahnang beach) stehenden, hatte ich vor Tagen ein View Point Schild entdeckt, das einfach steil den Berg hinaufzeigte. Daneben war auch ein etwas absurdes aufgestellt, auf dem stand, dass von dort Fallschirm springen verboten sei, was mich so zum lachen gebracht hat, dass ich auch die Möglichkeit nicht mehr vergessen konnte, dass mich dort oben etwas Aufregendes erwartete. Also schaffte ich es ernsthaft, endlich mal vor zwölf zu meiner Bungalowtüre hinaus zu spazieren und mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Das erste was man sah, als man sich mutig vor der zu erklimmenden Felswand aufbaute, war ein sieben Meter langer Vorsprung, der über und über mit rotem Schlamm bedeckt war, tausend Spitzen und Kanten in sich verbarg und ein zerschlissenes, glitschiges Seil, das verräterisch den Anschein machte, als würde es einem den Aufstieg erleichtern. Der erste Schritt saß und so sah ich mich 10 Minuten später schon ziemlich weit über dem Abgrund auf den Felsvorprüngen balancieren und das Seil links liegen gelassen zu haben. Da der Fels allerlei Kurven und unbezwingbare glatte Stellen aufwies, war es nicht verwunderlich, dass der Aufstieg sich dann doch auf die fünffache Länge belief, als es von unten den Anschein gemacht hatte. Ein paar Kerle kamen mir ab und zu entgegen und waren drauf und dran, mich wieder mit runter zu nehmen, nachdem sie sahen, dass ich die Sache alleine versuchte. Aber nachdem sie mein läppisches Gelächter gehört hatten, gaben sie auf und waren dann doch eher beeindruckt als verängstigt. Ich hatte endlich wieder die Chance, zu testen, wie viel ich von meinen Kletterkursen behalten hatte. Als ich oben ankam, war ich der stolzeste Mensch, den es in dieser Sekunde vielleicht auf Erden gegeben hat. Affenfamilien, die meinen Weg nach oben kreuzten (ein ganz kleines bisschen schneller als ich 😀 ) nahmen sich das Recht, auf ihre Vorfahrt und ich rutschte, teilweise auf dem Arsch, teilweise auf den Schuhen, hinter ihnen her. Quer durch den Dschungel, über umgefallene Bäume und liegen gelassenes Nestlepapier, kam ich an den Aussichtpunkt, der mir regelrecht die Luft zum atmen raubte. Ich stand vor einem Abgrund der in Deutschland wohl mit neonpinken Warntafel und Stacheldraht ausgestattet worden wäre, und blickte über beide Küsten hinweg. Die Felsen leuchteten groß und gebieterisch zu beiden Seiten rot in der Sonne und die Palmenwälder, die die ganze Halbinsel säumten wirkten wie Streichhölzer von hier oben. Das türkise Wasser bebte wild von beiden Seiten auf den schmalen Küstenstreifen zu und Müllberge, Touristen, Technoverseuchung waren von hier oben wie verschluckt, verdaut und woanders ausgeschieden. Ich war glücklich. Sehr. Lange saß ich da und bestaunte meine Kamera, die spazierende Menschen zwischen Mangroven so groß heranzoomte, als würden sie direkt vor mir stehen. Nachdem ich mich satt gesehen hatte für den Moment, machte ich mich ans Rambo-dasein. Ich sprang durch den Dschungel zu Orten, an denen es aussah, als wäre da selten jemand entlang gelaufen. Roch an Blumen, testete Lianen, schnitzte in gefundenes Holz und verfolgte stundenlang Schmetterlinge. Immerwieder tat sich hier und da ein markerschütternder Abgrund vor mir auf, der hinter einem Dickicht auftauchte und mir dann doch einen ganz schönen Respekt einflößte. Es war interessant so unabgelenkt seine wackeligen Knie zu analysieren und herauszufinden, wie ruhig man etwas aushalten kann, das einem Angst macht. Als ich wieder an dem View Point angelangt war (natürlich hatte ich mich auch absichtlich ein bisschen verlaufen und musste zum Spurenleser meiner eigenen Fußabdrücke werden), begann der erste Tropenregen meines Lebens, den ich mitten im Dschungel erleben durfte. Ich checkte gedanklich ab, ob alles wasserdicht verstaut war und konnte mich danach völlig den Tropfen ergeben, die mir warm über das Gesicht liefen. Die Welt verdunkelte sich innerhalb von Sekunden und Gewitterwolken sammelten sich über den Felsspitzen. Die Regenwellen zeichneten Muster in den Himmel und ich musste unwillkürlich an den Satz von Hundertwasser denken: ¨Im Regen sind alle Farben satter.¨ Also wenn es einen Ort gibt, an dem dieser Satz zutrifft, dann ist es der Regenwald. Die glänzenden Bäume schienen regelrecht aufzuatmen, der Wind peitschte die Äste zu neuem Leben erwacht durch die Lüfte und alles war erfüllt von Klang, Farbe, Leben und Ursprünglichkeit. Der Zauber der Ursprünglichkeit machte etwas mit meinem melancholischen Gemüt an diesem Tag…etwa so, wie in den Augenblicken, in denen einem eine klare Sternennacht das Gefühl des klein und unbedeutend seins von irdischen Problemen verdeutlicht.

Als ich bemerkte, dass es anfing dunkel zu werden (in Äquatornähe passiert das häufig 😀 ), dachte ich mir, es ist ja jetzt auch nicht nötig, den Abstieg pitschnass, auf eisähnlichen Felsvorsprüngen in der Dunkelheit vorzunehmen. Also quälte ich mich in die Realität zurück und fing an, wieder an den Abstieg zu denken. Das war bei dem Regen gar nicht so einfach…immerhin sind die Regentropfen daumennagelgroß und können einen schon zeitweise blind werden lassen, wenn sie gut treffen. Aber ich schaffte es, sonst könnte ich jetzt schlecht davon erzählen, mit ein paar Schrammen und Ausrutschern und ab und zu an glitschigen Seilen in der Luft schwebend. Als ich von oben bis unten mit Schlamm bedeckt, Blättern in den Haaren und dem Messer in der Hand vom letzten Absatz hinter einem Baum hervor gesprungen kam, saßen drei deutsche Mädels vor dem View Point Schild und überlegten, wer so verrückt sei, sich das anzutun 😀 Sie lachten Tränen, als ich ihnen von meinem kleinen Abenteuer erzählte und meinten, kein Wunder, dass deine Mum keine Lust hat, dich alleine durch Südamerika reisen zu lassen, wenn du so eine verrückte Henne bist. Aber im Endeffekt, hab ich genau das entdeckt, was ich eben bin. Eine bewahrte Kinderseele.

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Ich kann strahlen…trotz allem…

Ich kann strahlen...trotz allem...

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Heute betrifft es wohl den Großteil der Welt…

¨Ich irre in diesen europäischen Ländern umher wie ein vogel in einem Treibhaus. Die Menschen glauben, weil ich von einem Ort zum anderen reise, lebte ich ein beneidenswertes Leben. Sie wissen nicht, dass mich letzten Endes jeder dieser Orte enttäuscht – denn über jeden ist der Fluch europäischer Zivilisation ausgegossen, vor dem er vor hundert, ja vor fünfzig Jahren noch verschont war. Die entsetzliche Nüchternheit der letzten 30, 40 Jahre kriecht einem überall nach, ja sie färbt auf einen selber ab: Man verhotellt zuletzt rettungslos. Denn wo kein Hotel ist, da ist kein Platz für dich mit deinem Rohrplattenkoffer und deiner schriftdeutschen Sprache. Ich habe wohl auch meine Zeit an die Großartigkeit unserer Epoche der Technik geglaubt, aber jetzt fühle ich nur noch das Eine: dass sie die Erde entzaubert indem sie alles allen gemein macht.¨ Christian Morgenstern 1907

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Meine Aussicht, beim Reis essen…

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