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2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 500 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 8 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Batak

Als wir endlich ankamen war es Nacht. Der geistig behinderte Sohn des Fahrers, der uns die letzte halbe Stunde unseres Weges noch begleitete machte mit seinen Quietschgeräuschen bei jeder Kurve (die das Auto auch schon ohne ihn gemacht hatte), und wildem Mitgekurble vom Beifahrersitz auch diese paar Minuten zu Stunden und als wir endlich zwischen lauter komisch guckenden Gesichtern auf der Straße standen, war ich einfach nur überglücklich, angekommen zu sein 😀 Wir bekamen noch die letzte Fähre (Puh) und saßen auf einem Boot, das mit Lichterketten geschmückt, in einem Affenzahn und im Nieselregen in den großen, schwarzen See hineinfuhr. Soweit ich das verstanden hatte, ist der Lake Toba einer der größten Vulkanseen der Erde und so tief in der Mitte, dass die Forscher da schon Schwierigkeiten bekommen. Die Fahrt war schön. Ein Indonesier mit einer rothaarigen, doppelt so großen Freundin verbot uns das Rauchen, aufgrund von Asthma (wir waren an der frischen Luft und sahen ihn zwei Tage später in einer vollgerauchten Kneipe, mit Zigarette in der Hand), und wir standen mit Tüchern bedeckt, Zigarette in der Hand und einem Grinsen im Gesicht an der Reling im Nieselregen, der immer stärker wurde, und schauten gespannt auf die beleuchtete Küste, auf der wir die nächsten drei Tage verbringen sollten. Wie es schien, wussten alle außer wir schon, in welche Lodge sie gehen würden und die meisten stiegen gleich bei der ersten aus. Wir schauten neidisch all den Ziehkoffer-Touris hinterher, die an dem Pool vorbei in ein riesiges, mit Musik beschalltes Haus schlenderten und fragten uns, ob wir die richtige Entscheidung mit Stefan Losse getroffen hatten. Das Boot hielt an jeder einzelnen Lodge an, um Leute rauszulassen und irgendwann saßen wir alleine, mittlerweile im Platzregen, mit unseren schweren Rucksäcken (ich hatte das Packen zwar geübt, aber immernoch viel zu viel dabei) auf dem Boot, keiner konnte uns sagen, ob wir noch richtig sind und wurden an der aller allerletzten Ecke dann endlich vom Boot gelassen und trugen die Rucksäcke erst einmal (ein ¨Rezeptionist¨ half uns mit einem Regenschirm und gab uns direkt ein Zimmer, noch vor dem Einchecken :D) auf glitschigen Steinen die steilsten Treppen hinauf, die ich je mit einem Rucksack bestiegen habe! Ich musste mit meiner Größe sozusagen jede Stufe erklimmen, und das war schon keine schlechte Leistung mit dem Gewicht auf dem Rücken…Kraft aus den Oberschenkeln und dann jede einzelne Stufe mit Kraft und Schwung hochhiefen 😀 Als wir gebückt durch die kleine Tür in unser Schlafgemach für die Nacht schlüpften waren wir gerührt. Wir hatten die billigste Lodge von allen ausgewählt und dafür war sie wirklich ein Augenstern. Man lebte in originalen Batak-Häusern der damaligen Ureinwohner der Insel. Diese hatten geschwungene Dächer, die vorne und hinten weit in den Himmel ragten und viele geschnitzte Grimassen zum Schutz auf ihrer Fassade. Innen gab es zwar kein wie versprochen warmes Wasser (wir hatten seit Wochen nicht mehr warm geduscht), aber unglaublich viele Verzierungen, und bemalte Wände (erinnerte etwas an Maori-tribals) und sogar einen kleinen Balkon. Durch die Tür zu diesem kleinen, mit einem Tisch und zwei Stühlen ausgestatteten Platau, das direkt in den offenen See hinausragte, mussten wir kriechen 😀 Wir wuschen uns also und gingen fertig aufgehübscht in einer kleinen Bar, die Bamboo House hieß, und direkt neben unserer Lodge war (sie wurde uns von einem benachbarten, ganz jungen Hippie-Pärchen empfohlen) richtig schlemmen. Diese Bar hatte in Nullkommanix unser Herz erobert. Es kam Classic Rock, alles war voller Gemälde und sie war Raggae-mäßig mit Rattanmöbeln, Tüchern und gemütlichen Sitzecken auf Erhöhungen ausgestattet. Wir lagen da wie bekifft in unserer Ecke auf den tausend Kissen und aßen so gut, wie seit langem nicht mehr. Tranken Bier, unterhielten uns mit den netten Bartendern und waren endlich endlich angekommen. Also diese Reise, die war wirklich etwas viel auf einmal 😀 So viele Stunden unterwegs, und doch waren wir am selben Tag von Tangkahan bis zum Lake Toba gekommen und saßen jetzt kichernd und trinkend und uns wild unterhaltend in einer total touristischen Kneipe…und wir MOCHTEN ES 😀 In dieser Nacht schlief ich wie ein Baby und wachte auf, saß mit der Mum rauchend auf unserem kleinen Balkon mit der atemberaubendsten Aussicht, die alle Lodges überhaupt zu bieten hatten und war aufgeregt, was man auf der Insel noch so alles sehen konnte, wenn es da noch Ureinwohner gab. Sie hatten in der kleinen Badeecke der Lodge sogar ein Seil an einen Baum gebunden und ein Sprungbrett hingebaut, mit dem ich mich die nächste Stunde beschäftigte 😀 Ich sprang immerwieder in den klaren, kühlen, sauberen See, in dem tausend Fischlein schwammen, die Sonne strahlte wie verrückt und ich unternahm sogar eine kleine Schwimmtour, in der ich bestimmt eine halbe, dreiviertel! Stunde die Küste entlang schwamm und den Frauen dabei zuschaute, wie sie ihre Wäsche mit den Füßen wuschen. Einer der Kerle, die wir am Abend zuvor im Bamboo House getroffen hatten organisierte mit seinem Freund zwei Bikes und fuhr uns umsonst in der ganzen Gegend zu einer Lodge nach der anderen, damit wir uns am Schluss für eine entscheiden konnten. Das war wirklich nett und sozusagen eine Werbemaßnahme, damit wir bei ihm vielleicht auch eine kleine Inseltour buchen würden (was wir dann auch für den letzten Tag taten) und wir sahen auf dieser Fahrt unheimlich viel, von der Umgebung, bis hin zu den Bewohnern und vielen auch dreckigen, abgeranzten Straßen und Lodges, und konnten nicht umhin auch TABO noch sehen zu wollen, obwohl jeder immer so reagierte, als sollte man sich da nicht niederlassen. TABO war die Location, bei der am Anfang unserer Bootsreise die meisten ausgestiegen waren, und nachdem wir ja eigentlich mal richtig chillen und Urlaub am Pool machen wollten, wenigstens für drei Tage, sah dieser Ort eigentlich perfekt dafür aus. Wir sahen zuvor auch noch viele andere, teure und große Zimmer. Da gab es alles an Preisen und Pools und Marmorboden was man sich vorstellen kann und doch konnte man nicht eine mit TABO aber auch mit unserem ersten Batak-Häuschen vergleichen. Als wir bei TABO ankamen, sagten wir den Jungs schnell, dass wir dort bleiben würden. An der Empfangstheke stand eine deutsche, liebe Frau mittleren Alters, die uns ein Zimmer anbot, bei dem es uns den Atem verschlug. Es war riesig. Ein unglaublich großes, weiches Bett. Ein zweites Stockwerk mit Matratze und ein Balkon, wie man ihn sich nur wünschen kann. Da hing eine Hängematte und man konnte über den kompletten See blicken. Im Klo stand eine KLOBÜRSTE (scheint etwas sehr deutsches zu sein 😀 ) und die Dusche war sauber, heiß und mit Glaswand…wir waren im Paradies 😀 Die Frau (deren Namen ich leider vergessen habe, obwohl es etwas sehr deutsches war, Inge oder sowas, nennen wir sie Inge), hat in ihrem Laden eine kleine, deutsche Bäckerei aufgemacht und alles war wunderschön eingerichtet…mit Außenbereich mit Sitzkissen, Pool, Badeeinstieg zum See und einem Wellnessprogramm von Hot Stones bis hin zu meditativer Massage…es war einfach wie im All Inclusive Himmel 😀 Und wir nutzten es. Wir duschten was das Zeug hielt, schlemmten, schliefen in der Hängematte, hörten Meditationsmusik, lagen am Pool, schwammen im See, ließen uns zusammen eine komplette Stunde massieren (danach konnte ich mich vor lauter Entspannung fast nicht mehr bewegen) und wechselten nach zwei Nächten leider noch in ein kleineres, aber genauso teures Zimmer, weil unseres reserviert war für die Tage danach, das wir allerdings wegen einem Wasserschaden noch billiger bekamen. Alles in allem unglaublich schön, nur die Nachmittage waren meist regnerisch und nicht zum in der Sonne liegen geeignet. Und die Abende waren aufregend. Inge schien uns etwas ins Herz geschlossen zu haben (holte am ersten Tag auch schon mit dem Jeep unser Gepäck nach), und fragte am ersten Abend beim Essen, ob wir Lust hätten mit ihr auf eine kleine Kneipen-Schließungs-Party zu gehen. Ich fand es immer wieder lustig, was man alles für Menschen begegnet und in welchen Situationen man sich teilweise wiederfindet, während wir mit ihrem Jeep zu der Party fuhren, als hätten wir das seit Jahren so zusammen gemacht 😀 Die Party war süß, es waren ein paar Leute da, die auf Stühlen um eine vierköpfige, indonesische Band herumsaßen, die in einer wahnsinnslautstärke indonesische Musik machten. Sie waren glücklich dabei, das konnte man sehen. Und die Musik war schön in meinen Ohren…eigen und nicht nachahmbar, aber nicht schräg, wie ich es teilweise bei der thailändischen Musik empfand. Und es lag viel Inbrunst und Begeisterung darin, ein sehr guter Gitarrist war dabei und man konnte es da gut ein paar Stunden auhalten. Wir saßen zu dritt an der Bar, tranken Rum-Cola und unterhielten uns. Inge war vor 20 Jahren nach Sumatra ausgewandert, und auf meine Frage hin, ob sie hier ankam und sich einfach dachte, ihr Traumland gefunden zu haben, lachte sie und meinte, also erstmal hab ich eigentlich meinen Traummann gefunden 🙂 Das wollte ich genauer wissen…natüüürlich 😀 Sie war damals wie ich in die große weite Welt hinausgezogen und hatte eine ganze Traube von Menschen am Flughafen dabei, die Rotz und Wasser geheult hatte, weil sie alle davon ausgingen, sie niewieder Heim kommen zu sehen. Sogar ihren damaligen Freund hatte sie dafür abgeschossen, ohne mit der Wimper zu zucken. Und die Befürchtung die alle hatten, ist wahr geworden. Sie kam niewieder. Sie verliebte sich unsterblich und blieb für immer…bekam zwei Kinder mit ihrem Mann, die beide hochintelligent waren und Auszeichnungen vom Land bekamen und lauter so Zeug, machte ihre Lodge mit ihm gemeinsam auf, die läuft, wie keine andere weit und breit. Sie schien angekommen und zufrieden und locker, in allem was sie tat und sagte. Ich träumte und meinte, dass das eine sehr sehr schöne Geschichte sei und sie lachte darauf und meinte: ¨ Ja klar, weil sie gut ausgegangen ist!¨ Stimmt dachte ich mir, wie oft geht denn heutzutage noch etwas soooo gut aus? So langsam hab ich das Gefühl, dass es nur die Dinge sind, die andere für verrückt erklären 😀 Vielleicht ist das ein guter Wegweiser für die Entscheidungen, die man in seinem Leben so treffen muss. Aber sie schimpfte auch viel über die Indonesier. Die die sie anstellte klauten oft und machten ihre Arbeit auch nach längerer Zeit nur komplett, wenn sie sie immer kontrollierte. Einerseits konnte sie die Sprache perfekt und sang jedes Lied von der vorgespielten Musik mit, die sie so liebte, und andererseits, schien sie sich doch immer ein kleines bisschen über die Menschen hier zu stellen. Das selbe erlebte ich mit dem deutschen Klaus, der an dem Abend seine letzte Party in seiner Kneipe gab, bevor sie schließen musste. Er war Rentner und hatte sich das mit der Kneipe, die er da schwarz eröffnet hatte etwas anders vorgestellt. Wenn er nicht vor Ort war, arbeiteten die von ihm bezahlten Angestellten nicht und er konnte das mit der Kontrolle und dem Geld nicht mehr leisten, also musste er zumachen (es wirkte verbittert, wie er seine letzten indonesischen Büchlein verscherbelte und auf die indonesische Arbeitsmoral schimpfte). Und ich verstand in mir drin langsam, warum uns alle davon abhalten wollten, uns in dieser Lodge einzuquartieren. Ja klar, der deutsche versteht sein Geschäft und kann Geld daraus machen, aber ist es auch richtig? In ein anderes Land zu kommen, da auf die Sitten und die Moral zu schimpfen und ihnen zu sagen, wie sie nach seiner Pfeife zu tanzen haben? Man kann eigentlich keinem einen Vorwurf machen, zumindest ihr nicht, denn sie leistet ihren Beitrag für das Land und im Endeffekt ist es schwer zu sagen, du Sau, nur weil sie weiß wie, und deshalb erfolgreicher ist als der Rest. Auf der anderen Seite ist es ja immer die gleiche Diskussion, wenns um Aus- oder Einwanderer geht. Im Prinzip erwartet man von ihnen, dass sie sich den Gepflogenheiten des jeweiligen Landes anpassen, sich zumindest nicht über sie echauffieren. Und das haben unsere lieben deutschen Beispiele jetzt auch nicht so fabelhaft gemacht. Irgendwann erzählte meine Mum der Inge, dass ich auch gut singen könnte und sie drückte mir daraufhin in einer Bandpause die Gitarre in die Hand. Ich spielte ¨What´s up¨ und wurde dabei ernsthaft von der kompletten Kneipe begleitet und sogar mit einer Handykamera gefilmt 😀 Hab gezittert dabei, aber es ganz gut hinbekommen und hatte langsam das Gefühl, dass ich Erfahrung mit Publikum bekam 😀 Danach sangen wir noch Hannes Wader ¨ Heute hier, morgen dort¨ und meine drei deutschen Begleiter gingen auf in ihrer Jugend bei dem Song. Sie kündigte es an als ein ¨Lied aus unserer Heimat¨. Das war dann doch alles recht idyllisch und ich schämte mich nur ein gaaanz kleines bisschen dafür, dass jeder der mit mir unterwegs war immer die gleichen Lieder singen musste, weil ich es einfach nicht auf die Reihe bekam, neue zu lernen…vor allem auswendig 😀  Die Mum und ich redeten noch lange im Bett über das für und wider des deutschen Marktes in anderen Ländern und entschieden, dass es eigentlich gut ist, das Geld das man als Tourist in solchen Entwicklungsländern lässt, auch bei dem Volk selbst angekommen zu wissen. Gesagt und am nächsten Abend durchgezogen. Die Mum hatte sich in den Kopf gesetzt woanders zu Abend zu essen, und der einzige Grund, warum ich das nicht so prickelnd fand, war dass es wie aus Eimern schüttete und ich einen Bärenhunger hatte. Aber sie saß quengelnd neben mir (und hatte ja aufgrund des Themas am Vortag auch Recht), also fingen wir an, im Matsch und im Platzregen nach einem anderen Restaurant zu suchen. Das erste das wir fanden war leer und an der Decke hing ein quietschender, sich langsam drehender Ventilator wie aus einem Horrorfilm 😀 Da wollte sie also auch nicht bleiben, also entschieden wir uns, das Bamboo House zu suchen. Wir fragten nach der ungefähren Richtung und liefen also in dunkelster Nacht, pitschnass, quer über die Insel (immer mal wieder in Matschlöchern stecken bleibend), um idealistisch zu bleiben. Ich verarschte sie nach Strich und Faden wo ich nur konnte für diese Aktion, aber eigentlich fand ich es ja lustig, dass sie da immer so Ideen hat, und sie lachte neben mir fast Tränen, wegen meinen Kommentaren für diese unfassbar intelligente Unternehmung 😀 Als wir schon eine halbe Stunde gelaufen waren fing sie dann aber an ungeduldig zu werden und wollte ernsthaft umkehren, was ich dann auch nicht mehr einsah. Ich sagte ne, jetzt bin ich schon nass, und den halben Weg gelaufen, jetzt ziehen wir das auch durch. Also führte ich sie ernsthaft (ich fand das Teil wirklich), bis zum Bamboo House, während sie neben mir motzte, dass es kalt sei, sie nass sei, der Weg zu lang sei, das doch bescheuert sei 😀 Mamas ja? Wir saßen glücklich und nass in unserer geliebten Bar und ließen es uns richtig schmecken. Die Kerle waren auch alle wieder da, schäkerten mit der Mum und luden sie noch auf eine Party ein. Ich hatte irgendwie keinen Bock noch weg zu gehen, weil ich mich den ganzen Tag per Chat mit dem Nino gestritten hatte (der wollte da zu Hause gerade seine sexy Mädels für irgendeine Werbekampagne mit dem Sascha aussuche, was mir gar nicht in den Kram passte), und deshalb ließen wir uns von den Jungs mit den Bikes nur noch Heim bringen, aber buchten die Inseltour mit den beiden für den nächsten Tag (wieder unser Geld am richtigen Ort lassen und so). Ich bereute es zwar dann schon wieder, nicht weggegangen zu sein, aber dann nochmal los, hatte die Mum auch keinen Bock mehr. Langweilige Töchter immer 😀 Alles in allem waren wir jedenfalls wieder einen Schritt weiter, was das Lernen anbetraf. Der Deutsche ist luxusorientiert, und wie man sieht, ist das auch etwas, das uns nach einiger Zeit abgeht, aber da muss man sich schon trotzdem immerwieder prüfen, was wirklich notwendig ist, wenn man schon in ein Land reist, indem es den meisten einfach immer viel schlechter gehen wird, als einem selbst. Zumindest finanziell…ich glaube in Sachen Lebenslust haben sie uns Einiges vorraus 😀 Sollifri

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Durch die Minen von MORIA

Der letzte Tag, an einem gleichzeitig fremden und vertrauten Ort, ist jedes einzelne Mal wieder etwas Besonderes. Der Railay Beach ist und war so ein Ort für mich, und ich hatte mich zu verabschieden. Natürlich hatte ich Großes vor…wie immer. Also machte ich mich daran, den Rucksack zu packen, und endlich mit Kletterschuhen nach Boulderrouten zu suchen. Verschiedene Dinge hatten mich über die Tage dort vom richtigen Klettern abgehalten…naja hauptsächlich ein Ding: Angst 😀 Ich konnte nicht einschätzen, wie gut ich schon war, und ob ich mein Leben in die Hände eines Kletterlehrers vor Ort legen sollte, die ich jede Nacht betrunken in der immer selben Bar vortraf. Die Überlegungen waren noch nicht zu Ende, der Urlaub dort jedoch schon…also hatte ich keine andere Wahl, als es selbst zu versuchen 🙂 Dieser letzte Tag, hatte etwas Magisches. Ich lief den Küstenpfad entlang und kannte schon jedes Restaurant, jede Bar, den Ladyboy, der die Boottickets verkaufte, die alte Frau, die ihren Lebenstraum mit dem kleinen Laden erfüllt hatte und trotz fehlender Zähne besser Englisch sprach, als die meisten Thais, die ich bisher getroffen hatte. Die letzte Kokosnuss schmeckte unglaublich…das letzte cashew-chicken-curry ebenfalls. In meinem geliebten, winzigen Sitzrestaurant, in dem immer drei Songs rauf und runter gespielt wurden 🙂 wish you were here, way back into love und I´m yours. Vielsagend…darüber nachzudenken hätte aber meine Stimmung getrübt, und deshalb konzentrierte ich mich aufs Genießen. Der Weg nach dem Essen, vorbei an den Tropfsteinfelsen zu dem schönsten Strand, den ich kenne, war an diesem Tag irgendwie anders. Ich atmete, roch und spürte bewusster…war stolz auf mich, jetzt auf die Suche zu gehen. Als der Kerl vom Touriladen am Anfang des Weges ein paar unfassbar laute Böller zündete, um  die frechen Affen zu verscheuchen blieb mir deshalb auch wirklich kurz das Herz stehen 😀 Ihm hab ich mit meiner Reaktion den Lachanfall des Tages beschert, und mir ist dadurch erst mal alles in den Matsch gefallen 😀 Ich lief also gemeinsam mit den Affen weiter, unter den Felsen hindurch, an den Gebetsteinen vorbei…immer den glitzernden Sonnenstrahlen entgegen. Je heller es wurde, desto aufgeregter war ich. Als sich vor mir der Strand auftat, leuchteten die hohen Felsen rot in der Sonne. Das Meer war wild, hohe Wellen, Getöse und schäumende Gischt brachen sich an den Steinwänden. Alles glitzerte wie tausend Zaphire und verliebte Paare lagen unter den auf den Strand ragenden, verworren gewachsenen Bäumen. Ich war so glücklich, dass ich mich erst mal hinsetzen und das alles auf mich einwirken lassen musste. Die Erkenntnis, warum ich immer so pur wahrnehme, wenn etwas droht zu verschwinden, entzieht sich mir völlig. Allerdings ist es besser, es so zu können, als gar nicht. Irgendwann stand ich endlich in voller Montur (Männershorts und Kletterschuhe), vor der Felswand, die in beide Richtungen 100 Meter am Strand entlang reichte, und von der ich wusste, dass sie zu bezwingen war. Ich hatte schon drei Tage zuvor einen Kerl auf eigene Faust dort bouldern sehen und wollte jetzt entdecken, was in mir steckt. Mit Erinnerungen im Hinterkopf, wie das zu funktionieren hat (erst dran hängen, dann Kraft aus den Beinen holen, nie höher als vier Meter), hängte ich mich knapp über dem Boden wie ein Affe an die Wand. Es war furchtbar anstrengend 😀 Aber mit der Zeit und den Stunden, hatte ich fast den ganzen Fels hin und her geschafft und schaute zu meiner Überraschung auf einmal von sieben Metern über ziemlich viele Felsvorprünge nach unten. Nicht so gut, hab ich mir gedacht 😀 Aber die Aussicht übers Meer war der Wahnsinn. Das Gefühl, ewas geschafft zu haben, vor dem man sich fürchtete…das ist glaub ich mit keinem Geld der Welt zu kaufen. Man ist es nur selbst, der einem das schenken kann…und es ist jedes Mal ein Sieg über so viele selbst erbaute Grenzen. Nachdem ich ein paar Mal abgerutsch war, und natürlich viel zu viel Kraft aus den Armen geholt hatte, war ich wieder so weit über dem Boden, dass ich drei Meter nach unten in den Sand springen konnte. Der Fels sah danach für mich ganz anders aus. Ich kannte Stellen, die mir vorher nicht mal aufgefallen wären…sah Dinge, die sich sonst meiner Aufmerksamkeit entzogen hätten. Alles war auf einmal ein Abenteuerspielplatz. Routen, Farben, Neigungen, Trittsteige. Die Abenddämmerung machte sich breit und das Farbenspiel noch interessanter. Ich ließ Sach und Pack einfach unter meinem psychodelischen neuen Tuch liegen und rannte wie wild geworden auf das Meer zu. Es waren fast keine anderen Menschen mehr zu sehen, nur vereinzelte Paare und Mädels, die an den Felsen gelehnt, in ihr Tagebuch schrieben. Die See war so laut und schnell, dass mit der Gedanke kam, da rein zu gehen, wenn es dunkel wurde, war jetzt nicht die beste Idee. Aber der verflog ziemlich schnell, mit dem Gegenargument in meinem Kopf, dass ich ja nicht unterwegs bin, um immer und immer wieder ganz deutsch auf Nummer Sicher zu gehen. Mittlerweile war von der Sonne nur noch ein roter Streifen am Meereshorizont zu sehen und die Dunkelheit hüllte sich um alles, was vorher farbig war. Ich rannte im Meer wie gegen eine hohe Wand. Die Wellen waren so hoch, dass sie mich zwei Mal überragten und peitschten einem jeden Gedanken aus dem Gesicht. Das war mein Element. Ich rannte immer wieder gegen die Wellen, durch das lebendige, schäumende Wasser, von dem ich wusste, dass es so weit reicht, wie es meine Vorstellung nicht mal erfassen kann. In dem so viel lebt, dass nicht mal der Mensch es vollends erforschen kann. Mein Weg führte mich die ganze Küste entlang…bis hin zu einem jähen Ende des Strandes. Hier war es ruhig. Ein sehr komisches Gefühl. Von rechts kam das Meer, genauso wie von vorne. Nur dass jenes lebendige Getöse fast verschluckt wurde, durch ein vollkommen still stehendes Meer von rechts. Das stand ich also und war völlig geplättet von meiner Fähigkeit, mich in Naturgewalten wieder zu erkennen. Ich sang lauthals in die Nacht hinein…in die Stille, sowie in die Wildnis. Alles war Teil von mir, alles hatte Platz in mir. Still stehende Gewässer genauso, wie wild gewordene Urgewalten, die mich mitzureißen drohten. Ist es nicht das Mensch sein im Allgemeinen, das sich hier wiederspiegelte? Gehört es nicht zu unserem alltäglichen Kampf sich von der erotischen Anziehungskraft der Wildheit, nicht abzuwenden, und ihr doch nicht zu gehören? Mit solchen Gedanken und Liedern im Kopf schlenderte ich nun nur noch mit den Füßen im Wasser den Weg zurück. Als sich vor mir nun der Fels auftat, mit neuem Licht, einer anderen Perspektive, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Ich fühlte mich wie in den Universen versetzt. Die Felsen sahen so bedrohlich und so wunderschön aus, als würde ich mich gerade durch die Minen von Moria bewegen. Es war laut und unheimlich, gleichzeitig literarisch und wie gemacht für die größten und ehrwürdigsten Phantasien dieser Erde. Der Schatten des knorrigen ersten Baumes warf so ein riesiges Bild auf die sich vor mir abzeichnende Leinwand, als würde ein Balrog gerade vor meinen Augen aus der Unterwelt gekrochen kommen. Ein kleines, vom Anblick gefesseltes Wesen stand mit offenem Mund vor dem riesigen Felsen in der Nacht und konnte ihr Glück, mal so etwas gesehen und gespürt zu haben nicht begreifen. Sich loszureißen, war nicht leicht. Aber als ich die besorgten Blicke eines übrig gebliebenen Pärchens unter der Laterne in meine Richtung sah, dachte ich mir, es ist wohl Zeit aufzuhören, sich in die Fluten zu schmeißen 😀 Der Heimweg war lustig. Von allen Seiten hörte ich meinen Namen. Viele kannten mich mittlerweile und wünschten mir eine gute Reise, luden mich noch auf einen Kurzen ein oder wollten unbedingt nochmal von einer verheirateten Frau abgewürgt werden 🙂 Als ich den letzten kurz vor meinem Bungalow abgeschüttelt hatte, kam von meiner gegenüberliegenden Nachbarin leise aus der Dunkelheit die Frage, ob ich Lust hatte, mit ihr einen Wein zu trinken und übers Leben zu philosophieren. Na da war ich die richtige Person an diesem Tag 🙂 Wir redeten vier Stunden unaufhörlich über richtig und falsch des Liebens, über Freiheit und Pflicht, über Thailand, das Reisen und das Leben selbst. Und eines ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Wenn es eine Pflicht gibt, die unweigerlich zu allem führt, das wir uns erträumen, dann ist es die, glücklich zu sein. Und um das zu erreichen, darf die Begeisterung, das offene Auge, das nicht zweifelnde Herz und die wahre Liebe zu uns selbst und zu unseren Nächsten niemals aufhören, das wichtigste zu sein. Solli Fri

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